60 Jahre Flugsport im Westallgäu

Die Westallgäuer Luftsportgruppe aus Lindenberg beging im Jahr 2011 ihr 60-jähriges Jubiläum. Im Jahr 1951, als in Deutschland die private Fliegerei nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder erlaubt wurde, gründeten 46 flugbegeisterte Allgäuer einen Flugsportverein. Die Anfänge unter dem ersten Vereinsvorsitzenden, dem Lindenberger Unternehmer Alfred Achberger, waren bescheiden. Außer der Begeisterung fürs Fliegen hatte die Gruppe anfänglich nicht viel. Es fehlte an einem geeigneten Fluggelände, einer Werkstatt und auch am notwendigen Fluggerät. In der Nachkriegszeit gab es in Deutschland keine fertigen Flugzeuge zu kaufen und so mußte das erste Vereinsflugzeug, ein Segler mit 17 Metern Spannweite, in Eigenleistung aus Holz gebaut werden. Die erste Vereinswerkstatt war nicht groß genug für das Bauprojekt und so wurde die Endmontage kurzerhand in die alte Lindenberger Stadthalle an der Bräuhausstrasse verlegt.

Nach 1,5 Jahren Bauzeit konnten im Sommer 1953 die ersten Flüge mit der doppelsitzigen Mü13e oberhalb von Bregenz und in der Umgebung von Lindenberg durchgeführt werden. Am Pfänder wurde im Bereich der heutigen Adlerwarte gestartet. Im August 1953 verfolgten zahlreiche Zuschauer den internationalen Segelflugwettbewerb am Pfänder, den die Lindenberger Segelflieger gleich für sich entscheiden konnten.

Der Lindenberger Werner Bauer erinnert sich noch an seinen ersten Flug mit dem Doppel-sitzer im Jahr 1955. Bauers Nachbar, der Fluglehrer Albert Kugel hatte den damals 14-jährigen zu einem Flug eingeladen. Für den Jungen sollte es ein unvergessliches Erlebnis werden. „Ich war begeistert", erinnert sich Bauer. Dem Segelfliegen ist der mittlerweile 70-jährige bis heute treu geblieben. Mehr als 2400 Flugstunden weist sein Flugbuch heute aus.

Nach den schwierigen Anfangsjahren erlebte die Fliegerei in Deutschland einen allgemeinen Aufschwung. Die Mitgliederzahl der WLG verdoppelte sich nahezu und weitere Flugzeuge wurden angeschafft. In Schönau oberhalb von Röthenbach konnte 1959 schließlich ein eigenes Fluggelände eingerichtet werden. Das Bauvorhaben eines Milchwerks bedingte 1982 die Stilllegung des Schönauer Flugplatzes und den Umzug der Lindenberger Segelflieger ins benachbarte Isny. Im Jahr 1995 wechselte die WLG dann weiter zu ihrem heutigen Heimatflugplatz in Kempten-Durach. Der Platz bietet dem Verein ideale Voraussetzungen. Heute betreibt die Westallgäuer Luftsportgruppe dort vier eigene Segelflugzeuge sowie eine moderne Schleppwinde. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Schulung des fliegerischen Nachwuchses. Bereits mit 14 Jahren kann die Ausbildung zum Segelflugpiloten begonnen werden. In sechs Jahrzehnten Vereinsgeschichte haben die ehrenamtlichen Fluglehrer der Westallgäuer Luftsportgruppe zahlreiche Piloten ausgebildet. Die Technik der Flugzeuge wurde zwar im Lauf der Zeit immer augefeilter, eines ist jedoch unverändert geblieben: Die Faszination des lautlosen Gleitens zieht nach wie vor jeden in seinen Bann.

Projekt "Geier 1"

1956 wurde mit Sepp Allgaier aus Nesselwang eine Vereinbarung getroffen: die WLG baut für seine Flugzeugfirma 10 Satz Flugzeugbeschläge und erhält dafür ein flugfertiges Leistungssegelflugzeug vom Typ „Geier 1". 

Seit dem wurde in unserer Werkstatt jeden Abend an den Beschlägen gearbeitet und man hoffte im Sommer 1957 im Besitz eines schönen Flugzeuges zu sein. 

1957 musste Sepp Allgaier seinen Segelflugzeugbau aus wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gründen einstellen. Rudolf Kreissl aus Straubing übernahm die Lizenz Fertigung des Geier und unseren Vertrag mit Sepp Allgaier. Wir müssen noch 6 Satz Beschläge liefern, dann erhalten wir unseren „Geier 2" und sollten dann noch 5 Sätze nachliefern. 

1958 Die Firma Kreisel ging Pleite und die Firma Rogg aus Inzell übernahm den Lizenz Bau und den Vertrag mit uns. 

Im selben Jahr ist Herr Rogg mit dem Geier verunglückt und an einer darauf folgenden Blutvergiftung verstorben. Der Geschäftspartner von Herrn Rogg wollte den Geier weiterbauen und kam bei einem Autounfall ums Leben. 

Die Westallgäuer Luftsportgruppe hatte noch 3 komplette Satz Beschläge fertig gestellt, die sie nicht mehr verkaufen konnte. 

Fazit: Für die WLG war die Aktion Geier nur mit einem hohen finanziellen Kosten- und Arbeitsaufwand verbunden. Die Materialkosten und die vielen Arbeitsstunden wurden nie vergütet. Auch ich habe bei dieser Aktion als junger Flugschüler viele Arbeitsstunden verbracht und dabei das Feilen und Sägen gelernt. 

Werner Bauer