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An der Zugspitze vorbei

Die Querrippen, welche auf Kurs Richtung Leutasch liegen sind eine zuverlässige Thermikquelle und liefern mir die Höhe für den Anflug des Karwendels.

Anflug des Karwendel Gebirges
Zwischen Pleissen und Birkar Spitze steht wie immer der beste Bart etwas südlich der Kammlinie - er bringt mich auf etwas über 2800m. Damit ist der problemlose Weiterflug zum Rofan gesichert.

In schnellem Flug geht es weiter Richtung Kufstein und Wilder Kaiser.
Wie üblich steht der Bart (des Kaisers) an dem westlichen Ausläufer über der Kufsteiner Wand. Es ist turbulent und ich kreise steil und schnell in den 3-4m/s. Der kleine See etwas südlich (Niemand weiß seinen Namen) glitzert in der Sonne und ich kann die Böen über das Wasser schießen sehen. Dann werden im Osten die Leoganger und Loferer Steinberge deutlicher und ich kann das Steinerne Meer schon erahnen.
Die Wetteroptik in diese Richtung macht den Sommertagstraum perfekt.

Anflug des Wilden Kaisers

Ich drücke den Kestrel auf Kurs und und lasse die Nadel des Fahrtmessers nicht mehr unter die 160km/h Marke sinken. Der Wallerberg hinter dem Flugplatz St. Johann i.T. ist eine zuverlässige Aufwindquelle und mir reicht es wenn ich nur wenige 100m über den Waldhügeln ankomme. Die Sicherheit des naheliegenden Flugplatzes macht mich schnell.
In 1-2m/s kreise ich nach oben und setzte meinen Weg Richtung Leoganger Steinberge und weiter zum Steinernen Meer mit dem Hochkönig, als höchstem Gipfel des Massives, weiter.

Im Norden erhebt sich majestätisch der Ambrosche Schicksalsberg (Watzmann) mit seinen Kindern. Der Rundblick ausgehend von diesem geht über Hochkönig, die Dientener Berge bis Zell am See.

Der Watzmann über dem Steinernen Meer

Als ich auf das Steinerne Meer blicke, fällt mir die Geschichte von Hanna Reitsch ein, welche von J. v. Kalckreuth in seinem schönen Buch "Segeln über den Alpen" wiedergibt.
Auf dem Segelfliegertreffen im Mai 1937 in Salzburg überquerte sie in ihrem "Sperber Junior" das Steinerne Meer und dann die Hohen Tauern und landete schließlich in Südtirol. Mehr als einmal konnte sie während dieses Fluges eine haarsträubende Aussenlandung in den Felsen vermeiden.
Hinter der, heute zum Teil putzig zu lesenden Geschichte, kann man unschwer den Mut und die Entschlossenheit der Pionier Generation erkennen. Segelfliegen über den Alpen war damals ein gefährliches Abenteuer.

Etwas südöstlich des Hochkönigs, über dem niedrigen Gipfel des Hochkeils hole ich mir die Höhe zur langen Gleitphase über St. Johann i. Pongau in Richtung Dachstein und Roßbrand. Der Roßbrand, ein zwischen dem Dachstein und Radstadt gelegener Waldhügel weist ideale Proportionen zum Erzeugen von Thermik auf. Würde man die Aufgabe gestellt bekommen mit einem Computerprogramm einen für die Thermik optimalen Berg oder Hügel zu entwerfen - er hätte nach einigen Optimierungen sicherlich die Form und Ausrichtung des Roßbrandes.
Während des Anfluges kann ich zwei schöne Cumuli, eine nördlich und eine südlich des Rückens erkennen. Ich entscheide mich für die südliche Variante und sehe im Anflug ein Langohr im steilen Kreis. Gemeinsam kreisen wir in dem 3 - 4m/s Bart nach oben - die Basis liegt bei etwa 2700m und gibt mir den Weiterflug in das Ennstal frei.

Als ich die hellen Kalkwände des östlichen Dachsteins passiere, kommt ein Regenschauer aus einer auseinandergelaufenen Wolke. Hier im Ennstal sind die meisten Cumuli jedoch noch nicht allzu groß und auch der Blick nach Westen zeigt noch nichts Beunruhigendes.

Dann erreiche ich den Grimming mit dem Flugplatz Niederöblarn.
Er liegt vollständig in der Sonne und der Bart an seiner scharf auslaufenden Westflanke hat keinen Cumulus. Ich frage mich wie die Luft lokal so trocken sein kann daß sich dieses Wetterphänomen einstellt. Vielleicht hängt es mit dem trockenen Kalkgestein zusammen aus welchem dieser Berg besteht - dieses läßt alle Feuchtigkeit schnell versickern.

Es ist halb drei und ich entschließe mich hier umzudrehen und nicht wie geplant noch etwa 25 km nach Osten zum Nazogl zu fliegen. Diesen kann ich zwar von meiner Warte am Grimming in besten Wetterbedingungen erkennen, aber die zu erwartenden Gewitter im Westen machen mich nervös. Ich möchte so früh wie möglich wieder näher am Allgäu sein und überlege mir daß ich anstatt direkt heimzufliegen, lieber noch ein paar Kilometer in Richtung Ötztal und Engadin sammeln könnte. Aus dieser Gegend ist man mit entsprechender Höhe schon im Endanflugbereich von Kempten.

Der Rückflug ist zunächst unproblematisch. Wieder ein schöner Bart über dem Roßbrand und dann geht es weiter mit hoher Geschwindigkeit über die Dientener Berge Richtung Zell am See.
Beim Rückflug überm Roßbrand mit Kurs auf die Dientener Berge

   
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